Manchmal ist das Beste, was man tun kann, nichts zu tun. Beispielsweise, indem man einfach mal nicht den Rasen mäht. Denn in diesem Fall erzielt das Nichtstun Wirkung:Ein selteneres Mähen kann je nach Standort das Nahrungsangebot bestimmter Insekten verbessern.
Das allein aber reicht nicht aus, um einer Herausforderung zu begegnen, die in ihrer Bedeutung vielfach unterschätzt wird: Der Schutz von Biodiversität. Eigentümer und Verwalter von Immobilien sollten sich stärker mit dem Thema auseinandersetzen und aktiv Maßnahmen ergreifen. Denn neben den Auswirkungen auf Umwelt und Klima kann der Biodiversitätsverlust erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.
Wirtschaftsleistung und Biodiversität hängen zusammen
Biodiversität – das ist laut der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme auf dem Land, im Wasser und in der Luft. Diese bilden die Grundlage für vieles, was für menschliches Überleben und menschlichen Wohlstand unverzichtbar ist: beispielsweise saubere Luft, sauberes Wasser, Klimaregulierung oder fruchtbare Böden. Nach einer Untersuchung des World Economic Forums von 2020 hängen rund 44 Billionen US-Dollar an jährlicher Wirtschaftsleistung zumindest teilweise von Biodiversität ab – rund die Hälfte des weltweiten BIPs. Das gilt auch für die Immobilienbranche, welche natürliche Ressourcen wie Holz, Sand und Kies verarbeitet.
Und diese Grundlagen sind bedroht. So ist beispielsweise laut dem WWF „Living Plante Report 2026“, die Zahl der Wirbeltier-Populationen auf der Erde in den vergangenen 50 Jahren um rund 70 Prozent geschrumpft, und die der Insekten um 80 Prozent. Weltweit gelten nur noch knapp 23 Prozent der Erdoberfläche als „Wildnis“, die nicht industriell genutzt wird. Mit dem Rückgang von Pflanzen und Böden verringert sich auch die Aufnahmekapazität von CO2-Emissionen, was wiederum den Klimawandel weiter befeuert. Studien kalkulieren die Kosten, die bis 2030 aufgebracht werden müssten, um weitere Verluste zu verhindern, auf bis zu 967 Milliarden US-Dollar jährlich.
Geschieht nichts, wären die Auswirkungen fatal. Der Verlust an Biodiversität könnte das globale BIP bereits bis 2030 um 2,7 Billionen US-Dollar schrumpfen lassen, lassen berichtet der WEF Global Risks Report 2025. Die ökologischen Folgen aber wären noch dramatischer als die ökonomischen, denn den Menschen würden die Grundlagen für ihr Überleben fehlen. „Damit ist das Thema sogar noch wichtiger in seiner Bedeutung als der Klimawandel“, sagt die Biologin Dr. Frauke Fischer, eine der anerkanntesten Expertin für das Thema Biodiversität in Deutschland: „Wir müssen schützen, was noch da ist, und wiederherstellen, was wir verloren haben.“
Problembewusstsein in der Immobilienbranche wächst
Die Immobilienbranche hat durch den Ressourcenverbrauch und Emissionen eine Auswirkung sowohl auf Klimawandel als auch auf Verlust der Biodiversität. Somit entsteht sowohl Möglichkeit diesen negative Auswirkung zu reduzieren als auch gezielt Biodiversität zu fördern. Sie verbraucht Ressourcen für das Errichten von Gebäuden und die Herstellung von Baumaterialien, verursacht Lärm, Staub und Chemikalien, die während des Bauprozesses in die Umwelt gelangen, benötigt große Mengen an Energie für den Betrieb von Gebäuden und ist verantwortlich für die Versiegelung von Flächen. Allein in Deutschland werden täglich etwa 30 Hektar Boden mit Asphalt, Beton oder Pflastersteinen verbaut, das entspricht einer Fläche von rund 40 Fußballfeldern. „Das öffentliche Interesse an dem Thema steigt“, sagt Elena Winter, Senior Managerin Nachhaltigkeit bei Union Investment. „Mieter und institutionelle Anleger fragen immer häufiger nach, wie sich Union Investment zum Thema Biodiversität stellt.“ Noch sei der Marktdruck nicht so stark, dass man bereits jetzt zum Handeln gezwungen sei, sagt Winter. „Aber wir wollen die Entwicklung des Themas mitgestalten. Darum handeln wir jetzt schon.“
„Wir wollen in der Entwicklung in Sachen Biodiversität vorangehen. Darum handeln wir schon jetzt.“ Elena Winter Senior Manager Nachhaltigkeit bei Union Investment
Leitlinie für Biodiversität setzt den ersten Impuls
In Zusammenarbeit mit der Expertin Frauke Fischer hat Union Investment darum eine Leitlinie für Biodiversität entwickelt. Diese wurde übergreifend für alle Anlageklassen von Union Investment ausgearbeitet und enthält auch ein eigenes Kapitel zu Immobilien. Darin werden sowohl gegenseitige Abhängigkeiten analysiert als auch Einflussmöglichkeiten entlang der eigenen Wertschöpfungskette identifiziert.
Noch gibt die Leitlinie keine Maßnahmen vor. Denn nicht in jedem Abschnitt des Lebenszyklus einer Immobilie können sinnvolle und wirksame Maßnahmen umgesetzt werden. „Im Bestand ist das Spektrum bereits deutlich eingeschränkter als beispielsweise bei einer Projektentwicklung oder beim Städtebau“, sagt Elena Winter. „Daher ist unser vermutlich größter Hebel für den Schutz von Biodiversität weiterhin dem Klimawandel entgegen zu wirken.“ Mit der „Manage to Green“-Strategie arbeitet Union Investment bereits seit Jahren darauf hin, das Immobilienportfolios zu verbessern die Energieverbräuche und CO₂-Emissionen des aktiv gemanagten Immobilienportfolios schrittweise zu reduzieren.
Union Investment setzt Instrumente ein, die Biodiversitätsaspekte berücksichtigen oder sichtbar machen: Bei jedem Ankauf wird eine Environmental Due Diligence durchgeführt, bei der sowohl der Boden als auch das Gebäude auf das Vorhandensein umweltrelevanter beziehungsweise schädlicher Stoffe überprüft werden. Auch Taxonomieprüfungen berücksichtigen Biodiversität durch die „Do no Significant Harm“-Kriterien – ebenso der „Sustainable Investment Check“, ein von Union Investment entwickeltes Scoringsystem, das die qualitativen Nachhaltigkeitskriterien von Immobilien überprüft.
Die Herausforderungen sind groß: von schwieriger Messbarkeit über neue Instrumente bis hin zu fehlenden Daten. „Aber Union Investment ist sich ihrer Verantwortung bewusst und versucht stetig die eigenen Nachhaltigkeitsinstrumente weiter zu entwickeln“, sagt Winter. „Die Leitlinie ist dafür nur der erste Schritt.“